StartseiteKalenderFAQMitgliederTeamAnmeldenSuchen...NutzergruppenLogin

Willkommen in der finsteren Stadt Blackhaven! Wir sind ein seit mehr als fünf Jahren bestehendes Dark-Mystery-Board... weiterlesen




Come closer if you dare
I will show you the way
I am pleasure and I'm pain
I'm the night of your day

Benutzername:
Passwort:

Austausch | 
 

 Oster-Aktion 2015

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Admin
First Evil


FEAR. MY. POWER.

Anzahl der Beiträge :
398
Anmeldedatum :
10.05.11
Art :
nothing your limited mind could get
Alter :
older than humankind
Herkunft :
from hell, what you've expected?
Spezialität :
moving puppets on strings
Status :
incarnated

Benutzerprofil anzeigen

BeitragThema: Oster-Aktion 2015      Fr 27 März 2015 - 23:18



Einsendeschluss: 11. April 18. April 2015


Dieses Ostern ist Schluss mit niedlichen Küken und knuffigen Hasen! Wir befinden uns in einer düsteren Stadt, in der übernatürliche Dinge passieren und Menschen verschwinden. Dementsprechend geht es bei der diesjährigen Oster-Aktion darum, der Dunkelheit zu huldigen. Eure Aufgabe ist es, etwas zu schreiben oder auch zu dichten, das man einem Kind nicht zum Einschlafen vorliest. Es kann aus der Perspektive eurer Figur geschrieben werden, aus der einer von euch erdachten Person, eines Dämons, Geistes, aus der Beobachterperspektive, etc. Ihr könnt eine Kurzgeschichte verfassen, ein Gedicht, einen Tagebucheintrag oder was auch immer - Hauptsache, es ist ein Beitrag mit Text.

Es muss sich auch nicht zwangsläufig um ein reines Schauermärchen handeln. Kann durchaus auch humoröse oder romantische Elemente aufweisen. Wichtig ist nur, dass euer Beitrag einen finsteren Aspekt beinhaltet. Wer jedoch Lust auf Horror hat, kann sich natürlich auch austoben!
Die zweite und letzte Bedingung ist, dass euer Beitrag auch irgendeinen Bezug zu Ostern haben sollte - den könnt ihr aber weit fassen. So gilt es zum Beispiel als Fest der Auferstehung...

Nach Einsendeschluss werden alle eingegangenen Beiträge in anonymisierter Form eingestellt. Anhand einer Umfrage stimmen wir über den besten Text/das beste Gedicht ab. Zu gewinnen gibt es, wie immer, einen Award.

Bei Fragen, einfach eine PN schicken! Smile




Regeln:
  • Beiträge gehen nur bis 11. April 18. April um Mitternacht in die Wertung ein.
  • Jeder User kann bis zu zwei Stück einsenden.
  • Jede Textform ist möglich (Gedicht, Kurzgeschichte, Zeitungsartikel, Tagebucheintrag,...) und jede Perspektive/Figur.
  • Euer Text muss mindestens 1500 Zeichen (mit Leerzeichen) lang sein - gerne mehr. Gedichte sollten wenigstens 10 Zeilen umfassen.
  • Das Ganze sollte dem Titel "Evil Easter" gerecht werden. Also finster sein und irgendetwas mit Ostern zu tun haben. Seid kreativ! Smile
  • Die fertigen Beiträge bitte per PN an mich (oder, wenn Rupert bis dahin wieder da sein sollte, auch an ihn) senden mit dem Betreff "Oster-Aktion".
Nach oben Nach unten



Admin
First Evil


FEAR. MY. POWER.

Anzahl der Beiträge :
398
Anmeldedatum :
10.05.11
Art :
nothing your limited mind could get
Alter :
older than humankind
Herkunft :
from hell, what you've expected?
Spezialität :
moving puppets on strings
Status :
incarnated

Benutzerprofil anzeigen

BeitragThema: Re: Oster-Aktion 2015      Do 9 Apr 2015 - 22:45

Verlängerung des Einsendeschlusses

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wird der Einsendeschluss eine Woche weiter geschoben. Beiträge können nun bis zum 18. April 2015 eingereicht werden.
Smile
Nach oben Nach unten



Admin
First Evil


FEAR. MY. POWER.

Anzahl der Beiträge :
398
Anmeldedatum :
10.05.11
Art :
nothing your limited mind could get
Alter :
older than humankind
Herkunft :
from hell, what you've expected?
Spezialität :
moving puppets on strings
Status :
incarnated

Benutzerprofil anzeigen

BeitragThema: Auflösung Oster-Aktion      Do 23 Apr 2015 - 15:45

Auflösung Oster-Aktion


Aufgrund der geringen Beitragszahl macht eine Abstimmung keinen Sinn. Die Mühe der beiden Teilnehmer war jedoch keinesfalls umsonst. Für ihre tollen Texte erhalten beide den Award der diesjährigen Oster-Aktion! Smile




Mister Mirror

„Es war wirklich ein schöner Abend.“, säuselte sie leise und lächelte ihn an, die Hände auf dem Rücken ineinander gehakt. Ihre braunen Haare hingen in langen Wellen über ihre Schultern bis über die Schulterblätter, ihr weißer Rock umschmeichelte ihre schlanken Beine und ihre dunkelrote Bluse ließ teilweise mehr Einblicke zu, als es nötig gewesen wäre. Denn sie sah ohnehin wunderbar aus und zog stets alle Blicke begierig auf sich.
„Ja, das war er.“, kam die Antwort, eine tiefere, männliche Stimme, passend zu der Person der sie gehörte. Es handelte sich um einen blonden jungen Mann, um die 20, ein begnadeter Schwimmer im Schulteam und folglich recht ansehnlich gebaut. Er trug eine blaue Jeans und ein schwarzes Hemd, die Hände lässig in den Hosentaschen.
Nachdem er das Lächeln erwidert hatte, setzten sie sich langsam in Bewegung. Der späte Samstagabend war warm und angenehm, der Mond stand bereits am Himmel und ein laues Lüftchen ließ den leichten Stoff des Rocksaumes verspielt tänzeln. Morgen war Ostersonntag.

Eine Weile herrschte verlegenes Schweigen zwischen den Verliebten, während sie sich immer wieder eine Strähne um die Finger wickelte, den Blick am Boden, und er fieberhaft überlegend auf seiner Unterlippe herumkaute, die Augen in den dunklen Wolken. Keiner von beiden wollte, dass es schon vorbei war, keiner von beiden wusste aber, wie man den Heimweg möglichst unauffällig umlenken konnte, ohne gleich zu zeigen, wie interessiert man aneinander war. Die Schritte wurden immer kleiner und gemächlicher, bloß, um noch länger die Gegenwart des Anderen genießen zu können.
Schließlich setzte er an: „Der F-“, ein Räuspern, denn die Stimme war unmännlich piepsig gewesen und ein erneuter Ansatz, diesmal absichtlich noch tiefer als sonst: „Der Film war besser als erwartet.“ Nun gab er ihr Zeit zum Antworten. „Das stimmt, ich hätte nicht so viel Spannung erwartet. Das war ja zum Schluss richtig nervenaufreibend! Ich wollte fast nicht mehr hingucken.“ Erneut lächelte sie, sah ihn dabei jedoch nicht an, während er ihr einen Seitenblick nach dem anderen zuwarf. „Dann hättest du das Beste verpasst.“, entgegnete er und kickte einen Kiesel ins Gebüsch.
Gerade liefen sie durch ein kleines Stück Natur, welches an die darauf folgenden Schrebergärten grenzte. Weit und breit war niemand zu sehen. Der Blonde lenkte seinen Gang ein Stückchen näher an seine Angebetete heran und fügte hinzu: „Auch wenn es immer dasselbe ist. Heutzutage ist es wohl Vorschrift, dass in jedem Film mindestens eine Szene mit mehr Haut zu sehen sein muss. Liebesgschwärdl.“ Hatte er sich damit ins Aus katapultiert? Normalerweise mochten Frauen doch Liebesgeschichten. Angespannt hielt er die Luft an und schielt zu ihr hinüber, während er eine Hand aus der Hosentasche gleiten ließ, mit dem Plan, nach der ihren zu greifen. Doch er hatte Glück. „Da hast du vollkommen Recht. Ich stehe überhaupt nicht auf das ständige Gesäusel überall.“, empörte sie sich und warf ihm nun einen Blick zu, abwartend aber genauso nervös wie er selbst.

Gerade flog seine Hand wie unabsichtlich zu ihrer und berührte sie kurz, da raschelte es plötzlich direkt hinter ihnen im Gebüsch. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch der darauf folgende dumpfe Knall ließ beide erschrocken zusammen zucken. „Was war das?“, flüsterte sie und blickte sich mit großen Augen um. „Bestimmt nur eine Katze.“, versuchte er sie und sich zu beruhigen. Das Rascheln wurde lauter. „Schschh!“, machte er, versucht, das Vieh zu verscheuchen. Das Ergebnis war, dass der Busch nun so heftig wackelte, dass er Blätter verlor. Panisch krallte sie sich an seinen Arm. Das war eigentlich sein Ziel gewesen, doch nicht unter solchen Umständen. Genießen konnte er es nicht, stattdessen rief er todesmutig: „Wer ist da? Verschwinde!“.
So plötzlich wie es begonnen hatte, endete das Rascheln wieder und eine Grabesstille machte sich breit. Nur das aufgeregte Atmen der beiden Menschen war zu hören. Augenblicke der Starre vergingen, bis es mit einem Mal laut schmatzte, als höbe man ein nasses Kleidungsstück aus dem Wasser. Und ein Geruch nach frischem Blut verbreitete sich.
Die Augen der Brünetten waren nun komplett aufgerissen und sie krächzte mit hoher Stimme: „Lass uns verschwinden!“ Schon nahm sie die Beine in die Hand und rannte, ohne sich nochmal umzublicken, in Richtung der Schrebergärten. Obwohl er genauso viel Angst hatte, blieb er wie angewurzelt stehen und ließ die Neugier einen Moment zu lange die Oberhand gewinnen. Ein Schatten schoss aus dem Gebüsch hervor und traf ihn direkt auf der Brust, dass ihm die Luft wegblieb und er nach hinten umfiel. Sterne tanzen vor seinen Augen, er hielt sich die schmerzenden Rippen und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Was zur Hölle… , dachte er und rappelte sich wieder hoch.

Von dem seltsamen Etwas war nichts mehr zu sehen, Wahrscheinlich doch nur eine aufgeschreckte Katze, redete er sich ein und stützte sich an einem Stamm ab. Humpelnd näherte er sich nun dem Gebüsch, die Augen zugekniffen um in der Dunkelheit etwas zu erkennen, denn er musste schließlich seine (hoffentlich) zukünftige Freundin von der Gefahrlosigkeit überzeugen.
Als er die Äste zur Seite schob, wurde er leichenblass. Dort, in einer großen, dunklen Pfütze, lag ein junges schwarzhaariges Mädchen, die Arme verdreht und die Augen panisch geweitet, auf den Lippen ein letzter, stummer Schrei. Sie hatte wohl einmal ein gelbes Kleid getragen, welches nun rot durchtränkt war, ausgehend von einem Loch in ihrer Brust aus dem immer noch Blut floss. Als hätte ihr jemand das Herz herausgerissen. Der Blonde beugte sich zur Seite und übergab sich voller Inbrunst.
Wieder tat es diesen dumpfen Schlag, er wischte sich über den Mund und sah gerade, wie etwas von oben ins Gebüsch fiel. Ein weiterer Körper. Am liebsten wollte er gar nicht erst hinschauen, das war doch ein schlechter Scherz! Ein Albtraum! Dabei war er heute mit der Hoffnung auf einen Kuss – und mehr – aus dem Haus gegangen, und jetzt regnete es Tote! Er schloss für einen Moment die Augen um sich zu sammeln, lehnte sich zurück und wagte dann einen Blick. Als er sah was er sah, hätte er sofort anfangen können den Verstand zu verlieren.

Dort lag, eine Schramme auf der Wange aber sonst unversehrt, seine Begleitung. Die Augen waren geschlossen als würde sie schlafen, die Arme lagen unter ihrem Körper und der Rock war bis über die Knie verrutscht. Nein, bitte nicht… , flehte er innerlich, während er merkte, wie sich unweigerlich seine Augen mit Tränen füllten. „Nein…“, begann er nun auch zu wimmern und fiel auf die Knie, mit bebenden Händen und immer nasser werdenden Wangen.
Es raschelte wieder, er hob den Kopf und meinte, durch den verschwommenen Schleier der Tränen etwas zu erkennen, doch, das konnte nicht sein… Das Etwas schüttelte die langen Ohren und schnupperte an der Bluse seiner Freundin herum. Gelähmt vor Panik und Trauer kauerte er untätig daneben, stumm weinend, während er mit ansehen musste, wie das braune Vieh die spitzen Schneidezähne in das weiche Fleisch der jungen Frau schlug. Lautlose Schluchzer ließen seine Schulter beben und eine Hand verkrampfte sich in den Erdboden, nach Halt suchend. Als würde er träumen, bekam er mit, wie nach nur wenigen Sekunden das noch schlagende Herz aus dem warmen Brustkorb geholt, beschnuppert und schließlich in einem Happs gefressen wurde. Jetzt schlug er sich die Hände vor den Mund und unterdrückte ein wiederholtes, hustendes Würgen. Bei dem Geräusch schreckte das Wesen auf und wandte sich zu ihm um. Es schnupperte, und der Mann weinte und hustete weiter, völlig von Sinnen und am Rande eines Zusammenbruchs.

Ehe jedoch etwas Anderes geschah, schien das Etwas mit den langen Ohren die Augen zusammen zu kneifen und zu drücken, und irgendetwas plumpste hinter ihm ins Gras. Jetzt erst richtete es sich ungefähr zur Größe eines Schäferhundes auf, richtete die Augen auf sein nächstes Opfer und senkte den Kopf wie ein Stier. Das Letzte, was der Verliebte hörte, war ein lauter, dumpfer Schlag, als die kräftigen Läufe zu einem Angriff blasend auf den Boden knallten, dann kamen die weißen, großen Zähne immer näher und mit einem Mal wurde alles schwarz.
Nachdem die drei Leichen tiefer im Gestrüpp verscharrt worden waren, rollte der Osterhase die drei soeben erfolgreich produzierten Ostereier zwischen die Wurzeln eines Baumes, damit die Kinder sie am Morgen bei der Eiersuche auch finden konnten. Eines war schwarz-gelb, eines kastanienbraun und weiß und das letzte gelb und blau, mit einem schwarzen Streifen in der Mitte. Hübsche Eier. Zufrieden schnupperte er noch einmal daran und hoppelte davon, denn es gab noch genug zu tun. Jedes Kind sollte ein schönes Osterei bekommen.






Camryn Lacroix


Silbern glänzte der Mond am Nachthimmel. Kate fröstelte und zog die Schultern hoch, um sich gegen den aufkommenden, kühlen Wind zu schützen. Ihr Blick wandte sich vom Himmelgestirn ab und glitt über die Grabmäler, die sie umgaben. Da meinte sie, eine Gestalt hinter einer großen Engelsstatue zu erahnen, die in gebückter Haltung in ihrem Versteck kauerte und zu ihr hinüber starrte. Eine Gänsehaut kroch Kates Arme empor, während sie störrisch den Kopf schüttelte und die Augen zukniff, bevor sie wieder zu der düsteren Erscheinung sah. Nichts. Nur eine steinerner Engel, der behütend seine Hände über ein Grab hielt. Sei nicht albern. Da ist nichts, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Zögern drehte sie sich um und ging ein paar Schritte zwischen den Gräbern entlang, als sie je von hinten an den Schultern gepackt und herumgerissen wurde.
„Buh!“.
Kate schrie wie am Spieß, ehe sie erkannte, wer sie da so erschreckt hatte. Empört stieß sie ihn von sich. „Lass das, Mick. Das ist nicht lustig!“ Der Angesprochene grinste nur schelmisch und zuckte mit den Schultern. „Find ich schon. Aber überhaupt: War nicht abgemacht, dass du das Tor im Auge behältst?“ Jetzt wirkte er ernst. Kate wusste auch, warum. Mick hatte sie dazu überredet, ihn und seine Freunde nachts auf den Friedhof zu begleiten. Sie hatten irgendeinen dummen Streich geplant und brauchten jemanden, der für sie Schmiere stand.
Zornig riss Kate die Arme hoch und funkelte Mick an. „Wer soll denn bitteschön kommen und euch sehen? Mitten in der Nacht?“ Natürlich hatte der Junge auch darauf eine flotte Antwort. „Ein Nachtwächter.“ Er schenkte ihr noch ein Grinsen, dann bückte er sich nach seinem Rucksack und verschwand wieder zwischen den Grabmälern. Ungläubig stieß sie die Luft aus. „Ja klar, als ob.“ Über seinen müden Scherz konnte sie im Moment wirklich nicht lachen.
Stattdessen suchte sie erneut ihre Umgebung mit den Augen ab. Nicht, weil jemand kommen und sie erwischen könnte. Nicht in der Nacht vor Ostersonntag. Aber die dunkle Gestalt ging er einfach nicht mehr aus dem Kopf. Was, wenn sie sich nicht getäuscht hatte?

Nach einer weiteren halben Stunde waren die Jungs fertig und mit ihrem Werk mehr als zufrieden. Mit stolzgeschwellter Brust ragte Jason über dem letzten Grabmal auf, das sie … nun ja … „verschönert“ hatten. Ein schneller Blick über die Schulter zu seinen Kumpels, die bereits schadenfrohes Gelächter erklingen ließen. „Die werden sich wundern“, kicherte Justin in der hinteren Reihe. „‘N Herzinfarkt werden die kriegen“, antwortete Leroy. Mick fügte belustigt hinzu: „Dann können sie sich gleich zu ihren Liebsten betten.“ Mit verschränkten Armen grinste Jason seine Freunde an. Dann entdeckte er Kate hinter ihnen, die sich nervös umsah. Genervt verdrehte er die Augen. Die Tussi hatte Mick angeschleppt. Er hatte ja von Anfang an gesagt, dass das keine gute Idee war. Die war viel zu ängstlich und machte sich schon bei Scary Movie in die Hosen. Was sein bester Freund an der fand, konnte Jason wirklich nicht nachvollziehen. Jetzt gerade verdarb sie ihm jedenfalls die gute Laune. „Abmarsch“, kommandierte er brüsk und marschierte zielstrebig in Richtung Friedhofstor. Seine Freunde folgten ihm, noch immer gackernd.

Zitternd wartete Kate auf die anderen, die endlich fertig zu sein schienen. „Gott sei Dank“, flüsterte sie leise und trat dabei von einem Bein auf das andere. Sie wollte ganz schnell hier weg. Dass Jason ihr böse Blicke zuwarf, bemerkte sie gar nicht. Stattdessen ließ sie zu, dass Mick einen Arm um ihre schmalen Schultern schlang und ließ sich von ihm mitziehen. Er war angenehm warm, sodass sie sich enger an ihn schmiegte. Wäre er nicht ihr Traumtyp, hätte sie sich niemals zu diesem Schwachsinn überreden lassen. Noch immer konnte sie nicht anders, als sich übervorsichtig nach allen Seiten umzusehen. „Was hast du?“, fragte Mick nah an ihrem Ohr, an dem er spielerisch zu knabbern begann. Aber Kate schob ihn weg, um einen Blick zurückwerfen zu können. „Da ist doch nichts“, murrte er neben ihr. Anscheinend hatte er sich mehr erhofft. Friedhofsromantik. Den Begriff hatte Kate noch nie verstanden. Mit zusammen gekniffenen Augen suchte sie die Dunkelheit nach verräterischen Bewegungen ab. Nichts. „Jetzt komm schon“, maulte Mick, der sie vorwärts drängte.
Gerade wollte Kate sich abwenden und schleunigst weitergehen, als sie ein Geräusch vernahm. Abrupt blieb sie stehen und wirbelte herum. Ein Rascheln. Es war ganz nah gewesen. Ihre Lippen hatten sich leicht geöffnet und stießen die Atemluft in kleinen, sichtbaren Wölkchen aus. Für April war es erstaunlich kalt. „Hast du das auch gehört?“, fragte sie atemlos. Wieder begann sie zu zittern.
Mick, der durch ihr plötzliches Stehenbleiben ebenfalls inne gehalten hatte, sah sich mit verengten Augen um und lauschte. Aber er hörte nichts. „Du spinnst. Das war bestimmt nur der Wind.“ Er streckte den Arm nach ihr aus, der zuvor von ihren Schultern geglitten war und nahm ihre Hand. „Komm schon. Ich will hier nicht übernachten“, versuchte er sie, zum Weitergehen zu überreden.
Mit Erfolg. Schutz suchend klammerte sich das Mädchen an seinen Arm und beeilte sich, mit ihm zu den anderen aufzuschließen.

Den Kopf schiefgelegt beobachtete er die lärmenden Jugendlichen. Zu nah waren sie ihm gekommen. Entdeckt zu werden, konnte er sich nicht leisten. Gemächlich hob er den Gegenstand vor sich vom Boden auf. Nach einer Weile entließ er die Kinder aus seinem Blick und besah sich stattdessen das Objekt. Es war rund und klein. Obwohl es dunkel war, erkannte er die prächtige rote Farbe. Rot hatte er schon immer geliebt. Prüfend drehte er das kleine Ding. Schlagartig verfinsterten sich seine Gedanken, er fuhr herum und hob den Kopf. Das würden sie ihm büßen!

Endlich wieder daheim ließ sich Kate seufzend auf ihr Bett fallen. Wie sehr hatte sie die warmen, flauschigen Kissen und ihre weiche Decke vermisst. Unwillkürlich kicherte sie und schloss glückselig die Augen. Natürlich hatte sie sich den Spuk bloß eingebildet. Das war ihr jetzt auch klar. Aber auf dem düsteren Friedhof war ihr alles so real erschienen. Dabei hatte sie einfach eine blühende Fantasie, die ihr einen Streich gespielt hatte.
Mit einem dumpfen Laut landete jemand neben ihr auf der Matratze, sodass ihr Körper leicht hin und her wippte. Sie öffnete die Augen erst, als warme Lippen über ihre Wange strichen. Lächeln sah sie zu Mick auf, der es sich neben ihr gemütlich gemacht hatte. Er erwiderte ihr Lächeln und beugte sich über sie, um sie zu küssen. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee gewesen, ihn bei seiner Missetat zu begleiten. Genüsslich vertiefte sie den Kuss, brachte dann aber wieder etwas Raum zwischen ihre und seine Lippen. „Jetzt sag mal, was habt ihr da eigentlich getrieben?“. Sie war zu neugierig, um die Frage länger zurückzuhalten. Jason war dagegen gewesen, sei einzuweihen und Mick hatte sich auch bedeckt gehalten.
Doch nun grinste er. Obwohl er liebend gern weitergemacht hätte, war es für ihn zu verlockend, ihr in aller Breite von dem geheimen Plan zu erzählen. „Also. Du weißt doch, dass Jasons Onkel so ein Skinhead-Typ ist“, begann er. Kate war sich zwar ziemlich sicher, dass besagter Mann mit irgendwas Okkultem zu tun hatte und nichts mit Skinheads zu tun hatte, sagte das aber nicht. Das würde nur wieder in einer Diskussion ausarten, weil Mick meinte, alles besser zu wissen. Also ließ sie ihn in dem Glauben und nickte gespannt. In der Zwischenzeit hatten sich beide aufgesetzt und sie wippte im Schneidersitz vor und zurück. Konnte er nicht einfach auf den Punkt kommen?
Mick grinste wieder. „Der Typ ist total krank. Aber irgendwie cool. Jason kommt voll gut mit dem klar. Na, jedenfalls hat dieser Onkel einen Haufen Totenkram bei sich zu Hause rumstehen. Jason war da letzte Woche zu Besuch.“ Die etwas holprigen Ausführungen wurden von einem belustigten Schnauben unterbrochen. „Und jetzt rat mal, was er da entdeckt hat.“
Fragend hob Kate eine Augenbraue. Woher sollte sie das wissen? „Sicher keine Plüschtiere“, antwortete sie. Schon verblasste Micks erwartungsvolles Lächeln, sodass sie sich beeilte hinterherzuschieben: „Was hat er denn gefunden?“ Das stellte Mick sichtlich zufrieden, der nun einen Blick über die Schulter warf und sich verschwörerisch zu ihr vorbeugte. „Totenköpfe.“
Kates Augen weiteten sich und ihr Mund klappte auf. „W-Was? Echt jetzt?!“
Doch Mick winkte ab, richtete sich wieder auf und schüttelte den Kopf. „Ne, natürlich nicht. Also keine Echten. Dafür einen ganzen Sack voll. Aus Plastik.“ Das beruhigte Kate ein wenig. Aber eben nur ein wenig, denn im nächsten Augenblick fragte sie sich, was ein erwachsener Mann mit einem Haufen Plastiktotenköpfe anfangen wollte. Aber Mick ließ sie nicht weiter darüber nachdenken, sondern fuhr fort: „Jason hatte eine geile Idee und die Schädel eingesteckt. Mit Farbe haben wir die dann bunt angemalt.“ Wieder lachte er so dreckig, was Kate gar nicht gefiel. Sie wartete darauf, dass er weiter sprach. Allerdings schien er nun auf ihren Einsatz zu warten.
Grüblerisch zupfte sie an ihrer Bettdecke herum. Kleine Plastiktotenschädel, die bunt angemalt waren. Dann fiel es ihr auf. „Morgen ist Ostern!“
Zufrieden nickte ihr Freund. „Ganz genau.“
„Aber warum habt ihr die Totenköpfe auf dem Friedhof verteilt?“, hakte Kate verwundert nach. Das ergab doch keinen Sinn. Wenn sie kleine Kinder erschrecken wollten, dann doch eher im Park oder wo die Rotzgören sonst nach bunten Eiern suchten.
Mick winkte ab. „Ne, Jasons Idee war viel cooler. Er meinte, an Ostern besuchen viele die Gräber ihrer Familie. So von wegen Auferstehung Christi und so.“ Jetzt dämmerte es auch Kate, weshalb sie ihn unbedachter Weise unterbrach. „Und ihr wolltet die alten Leute erschrecken, die denken, sie finden Ostereier und stattdessen Schädel in der Hand halten.“ Mick wirkte ob der Unterbrechung nicht gerade begeistert, fing sich aber zu ihrer Überraschung schnell wieder. „Genau. Und jeden anderen, der sich sonst dahin wagt. Gut nicht?“
Mühsam rang sich Kate zu einem winzigen Lächeln durch. Ihr gefiel die Idee, um ehrlich zu sein, überhaupt nicht. Sie dachte an all die armen, alten Omas, die ihren verstorbenen Mann besuchen wollten und dann über diese grässlichen Totenköpfe stolperten. Alte Leute reinzulegen war in ihren Augen nicht in Ordnung. Noch dazu auf einem Friedhof.
Eilig sprang Kate auf. „Ich muss mal“, entschuldigte sie sich und verließ das Zimmer. Kaum hatte sie die Tür hinter sich zugezogen, lehnte sie sich daneben an die Wand. Das war doch verrückt. Wegen so einer Lappalie waren sie nachts draußen rumgestromert. Außerdem fand sie es nicht okay, anderen Ostern zu verderben. Ihre kleine Schwester glaubte beispielsweise noch an den Osterhasen. Kate ließ sie in dem Glauben. Für ihre Oma war es zudem der einzige Tag im Jahr, an dem die ganze Familie sich bei ihr versammelte, was die alte Dame sichtlich genoss. Und dann war es ausgerechnet Mick, der dabei half, anderen den Feiertag zu vermiesen. Kraftlos ließ sie den Kopf nach hinten sinken und schloss die Augen. Jetzt war es auch schon zu spät und vielleicht würde es gar nicht so schlimm werden. Immerhin war es doch alles nur ein Scherz gewesen. Kein besonders guter. Aber das würden die Leute schon verstehen. Kate öffnete die Augen, stieß sich von der Wand ab und ging zur Toilette. Sie sollte wenigstens so tun, als ginge sie tatsächlich.
Auf dem Weg dorthin musste sie am Zimmer ihrer Schwester vorbei. Je stolperte sie und hätte um ein Haar das Gleichgewicht verloren. Hilflos stützte sie sich an der Wand ab und hob ihren schmerzenden, linken Knöchel, den sie sich ein wenig verdreht haben musste. Verärgert sah sie auf den Boden und suchte nach dem Grund für ihren Beinahe-Sturz. Dann verdrehte die genervt die Augen. Natürlich, ein Stoffhase. Den musste Libby, ihre Schwester, auf dem Flur liegengelassen haben. Der Schmerz im Fuß war längst verflogen, als sie vor dem Kuscheltier in die Hocke ging und es aufhob.
Da stürzte Mick hinter ihr auf den Flur. Mit gehetztem Blick rannte er sie beinahe über den Haufen, eh er stammelnd stehen blieb. „Was ist passiert?“, fragte Kate, die nichts Gutes ahnte. „Jason … Brücke … gestürzt …“, brachte er stockend hervor. Dann machte er auch schon Anstalten zu gehen. „Wo willst du hin?“, rief Kate entsetzt. Mick wollte doch nicht tatsächlich schon wieder raus in die Nacht? Den Stoffhasen ließ sie achtlos fallen und folgte ihm die Treppe hinunter. In aller Eile zog sie ihre Schuhe und eine Jacke an, dann folgte sie ihm nach draußen. Auch wenn es ihr nicht behagte, konnte sie ihn im Augenblick nicht allein lassen.
Mick schwang sich auf sein Motorrad und gab Kate gerade genug Zeit, hinter ihm aufzusteigen, bevor er auch schon Gas gab.

Wenig später erreichten sie den Ortsrand, wo die Straße an einer Tankstelle vorbei aus der Stadt hinaus führte. An der Straße plätscherte ein Fluss entlang, zu dem eine steile Böschung hinunter führte. Mick bremste bei der Brücke, die über den Fluss führte. Dort wurde er bereits von einem aufgeregten Leroy erwartet. „Mann, hilf mir!“, kreischte er ihnen regelrecht entgegen. Mick war sofort abgesprungen und auf seinen Kumpel zugelaufen. Kate folgte ihm zögernd. Ein ungutes Gefühl beschlich sie, während sie auf die zwei Motorräder zuhielt, die vor der Brücke standen. Das Rechte gehörte eindeutig Leroy, der es mit kindischen Bildern besprüht hatte. Das andere sah dem von Mick erstaunlich ähnlich. Kate blieb daneben stehen und fuhr mit den Fingern zögerlich über den Sitz. Ihr Blick glitt in die Ferne, die Böschung hinab zum Fluss.
„Jason! Er ist gesprungen!“ Wie von Sinnen brüllte Leroy und deutete auf das Brückengeländer. Erschrocken zuckte Kate zusammen und zog rasch ihre Hand zurück. „Was soll das heißen?!“, schrie Mick seinen Kumpel an, den er an der Jacke gepackt hielt, um ihn zu sich zu ziehen. „Das Ding! Ist plötzlich aufgetaucht! Aus dem Nichts! Und Jason, der hat, Jason hat …“, keuchte Leroy, der wie ein Wahnsinniger über Micks Schulter hinweg auf das Geländer starrte als stünde dort der Tod höchstpersönlich. Entsetzen stand in Micks Gesicht geschrieben, als auch er sich umsah. „Sieh nach“, befahl er Kate. Doch die schüttelte nur den Kopf und starrte wie gebannt auf den wild gestikulierenden Leroy, der wieder zu Kreischen begann.
„Verdammt“, fluchte Mick kraftlos, stieß den verrückt gewordenen Leroy von sich, sodass dieser zu Boden fiel und näherte sich nun selbst dem Brückengeländer. Das war doch albern. Sicher hatte Jason seinem Kumpel nur einen fiesen Streich gespielt. Oder Leroy tat nur so, um Mick Angst einzujagen. Das musste es sein. Wahrscheinlich steckten beide unter einer Decke. „Idioten“, brummte Mick, um sich selbst zu beruhigen. Betont gelassen legte er beide Hände auf das Brückengeländer. Es kostete ihn einiges an Überwindung, aber schließlich beugte er sich darüber und warf einen Blick nach unten. Dann prallte er zurück, stolperte über seine eigenen Füße und knallte gegen Leroy, der zitternd versucht hatte, wieder aufzustehen. Mit schreckgeweiteten Augen starrte Mick das Geländer an. Das war ein einziger Albtraum!

Mit einem finsteren Lächeln beobachtete er die kleine Gruppe. Nicht mehr lange. Nur noch ein bisschen.

Ängstlich blickte Kate zwischen Mick, Leroy und dem Geländer hin und her. Was zum Teufel war bloß los? Sie hätte gern gefragt, was Mick da unten gesehen hatte. Aber ihre Stimme versagte ihr den Dienst. Sei kein Angsthase, rief sie sich selbst zur Ordnung, schluckte ihre Furcht hinunter und machte zögernd ein paar Schritte auf das Geländer zu. „Kate, nicht!“, rief Mick, der sich von dem ersten Schreck zu erholen schien. Gut, dann konnte es doch gar nicht so schlimm sein, oder? Wagemutig trat Kate an das Brückengeländer und stellte sich auf die unterste Sprosse, um hinübersehen zu können. Micks Warnung ignorierte sie. Was sie besser nicht getan hätte. Zum zweiten Mal in dieser Nacht stieß sie einen spitzen Schrei aus. Unfähig, sich von dem Anblick loszureißen, verkrampften sich ihre Finger um den Rand des Geländers. Sie konnte nicht einmal die Augen abwenden oder sie vor der Wirklichkeit verschließen.
Unter ihr lagen im Fluss einige große Findlinge. Aber das war nicht das, was den Grauen in ihr auslöste. Stattdessen waren es die weißen Augen, die in nackter Todesangst geweitet, zu ihr herauf blitzten. Das plätschernde Wasser zog an der Kleidung und umspielte den Körper, der dort unten auf den Steinen ruhte. Er würde nicht fortgespült werden. Das verhinderte sein linkes Bein, das irgendwo unter ihm zwischen den Steinen verschwand, während das andere in einem grotesken Winkel von seinem Rumpf abstand und ungefähr dort lag, wo sein rechter Arm hätte sein sollen. Der hing, von zerfetzten Sehnen und Muskeln nur notdürftig gehalten, an der Schulter fest und wurde vom kalten Fluss umspült. Der Brustkorb war gewaltsam deformiert. Etwas Weißes schimmerte durch die durchnässte Lederjacke hindurch. Waren das Knochen oder …
Ein Würgen stieg in Kates Hals auf, was sie endlich dazu brachte, sich von diesem Anblick loszureißen. Ohne es kontrollieren zu können, sackte sie an Ort und Stelle auf die Knie und übergab sich. Nie würde sie diesen Schrecken vergessen, der dem zerschundenen, grausam entstellten Gesicht inne wohnte. Dieses schauderhafte Grinsen, welches der lippenlose Mund erzeugte.
„Das ist nicht real“, raunte Mick irgendwo rechts von ihr, während sich die Welt um sie drehte. Er hatte Recht. Was auch immer geschehen war. Die Brücke war nicht hoch genug und niemand würde je erklären können, wie all diese Verletzungen zustande gekommen waren.

Erfreut verfolgte er das Schauspiel. Alles war so schnell gegangen. Diese Kinder konnten sich keinen Reim darauf machen. Aber das machte nichts. Darauf kam es ihm nicht an. Bald schon würde es zu spät für sie sein. Er musste nicht mehr eingreifen. Sie würden es selbst tun. Einer nach dem anderen. Der Zweite folgte in diesem Augenblick.

Nur langsam erlangte Kate die Kontrolle über sich zurück. Es gelang ihr, den Kopf zu heben und zu Mick hinüber zu sehen. In seinem verzerrten Gesicht spiegelte sich dieselbe Furcht wider, die auch sie verspürte.
Da riss Leroy sie aus ihrer Starre. „Da ist es wieder!“, kreischte er wie von Sinnen. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie er aufgestanden und zu Jasons Motorrad getorkelt war. „Es hat ihn umgebracht!“ Seine Stimme schoss einige Oktaven in die Höhe, ehe sie je brach und ihn verstummen ließ. Er brachte noch eine Art Gurgeln hervor. Dann wirbelte er herum und sprintete auf die Straße zu. „Was hast du vor?“, rief Mick ihm nach, der sich allmählich wieder aufrappelte und auf die Beine kam. Sofort ging er zu Kate und half ihr hoch, bevor sich beide nach Leroy umsahen. Voller Angst klammerte sich Kate an ihren Freund. Da hörten sie wieder Leroys Stimme. „Nein! Nein, bleib von mir weg!“
Mit schreckgeweiteten Augen sahen sie sich an. Mick löste sich von ihr und ließ sie zurück, um nun seinerseits von der Brücke runter Richtung Straße zu laufen. „Leroy!“, brüllte er. Kate war nicht klar, was er meinte, bis sie wenige Sekunden später zu ihm aufgeschlossen hatte und schwankend neben ihm stehen blieb. Hätten sich ihre Hände nicht wie von selbst in den Ärmel seiner Jacke gekrallt, wäre er womöglich zu seinem Freund gelaufen. Dabei war es dafür längst zu spät. Sie konnten nur noch zusehen, wie der LKW angerast kam. Der Fahrer musste eine Vollbremsung versuchen und ließ die ohrenbetäubende Hupe ertönen. Aber das reichte nicht aus, um das Unglück zu verhindern. Leroy, der dem LKW entgegen blickte, wurde von einem Augenblick auf den nächsten mitgerissen. Den Aufprall konnte sich Kate nicht mitansehen. Stattdessen vergrub sie ihr Gesicht an Micks Schulter. Sie hörte das Quietschen der Bremsen, irgendein metallenes Geräusch und dann … nichts als Stille.
Kate war nicht dazu fähig hinzusehen. Dafür spürte sie, wie Mick neben ihr taumelte. Wieder versuchte sie, ihn zurückzuhalten. Aber sie war zu schwach, sodass er sich losriss, um einige Schritte auf die Straße zu wagen. Dann verließ ihn die Kraft und er brach zusammen. Kate schlug die Hände vors Gesicht und schluchzte. Das war zu viel. Das war alles zu viel! Kein Mensch könnte das ertragen.

In ihrer Trauer bemerkten weder Kate noch Mick, dass anstelle des LKWs nur noch ein lebloser Haufen auf der Straße lag. In der Dunkelheit war nicht zu erkennen, um was es sich handelte. Doch das Unfallgefährt war vom Erdboden verschwunden, als habe es nie existiert.

„Wir müssen hier weg“, befahl Mick mit brüchiger, kaum vernehmbarer Stimme. Dabei kauerte er noch immer auf dem kühlen Asphalt, unfähig, von selbst wieder aufzustehen. Dafür fingerte er an seiner Hosentasche herum und zog schließlich sein Smartphone daraus hervor. Mit steifen Fingern tippte er ungelenk darauf herum; dann presste er es sich ans Ohr und wartete gebannt. Nach einer gefühlten Ewigkeit knallte er das nutzlose Gerät auf die Straße. „Justin nimmt nicht ab“, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Zögerlich näherte sich Kate. „Was heißt das?“, fragte sie unsicher und mit tränenerstickter Stimme. Dass er nicht die Polizei angerufen hatte, hinterfragte sie nicht weiter. Es mochte irrational sein, aber was hätte er den Beamten erzählen sollen? Ein nicht existenter LKW hat meinen Freund überfahren und ein anderer hat sich von einer zwei Meter hohen Brücke in den Tod gestürzt? Das klang selbst in ihren wirren, angstgeplagten Gedanken absurd.
„Das heißt, dass wir jetzt zu ihm fahren“, beschloss Mick, raffte sich wieder auf und kehrte zu seinem Motorrad zurück. Er durfte jetzt nicht zusammenbrechen. Nicht, wenn es noch eine winzige Chance gab, Justin könne gerettet werden. Jetzt musste er weitermachen und durchhalten, um wenigstens seinen letzten verbliebenen Freund zu retten. Deshalb stieg er wieder aufs Motorrad, wartete bis Kate hinter ihm saß und raste los. Es zählte jede Sekunde.

Zu spät. Sie würden zu spät kommen. Es amüsierte ihn, wie verzweifelt sie sich abstrampelten in der aussichtslosen Hoffnung, den Dritten zu retten. Natürlich würde er vor ihnen da sein und alles in die Wege leiten. Alles lief genau nach Plan.

Kaum hatte Mick eine Vollbremsung hingelegt, sprang er auch schon von der Maschine und stürzte zur Haustür. Wie ein Besessener drückte er mehrmals hintereinander auf die Klingel. Schließlich gab er es auf und klopfte mit der bloßen Faust gegen die Tür. „Justin! Mach auf, Mann!“
Kate rutschte von dem Motorrad und blieb daneben stehen. Kaum berührten ihre Füße den Boden, begann sie abermals zu zittern. Sie schlang die Arme um ihren Körper, während sie gebannt abwartete. Ihr Blick wanderte über die Fenster auf der Suche nach irgendeinem Anzeichen von Leben. Kein Licht war zu sehen. Die Härchen auf ihren Armen stellten sich auf, weshalb sie hektisch darüber strich. Um sich zu beruhigen, wanderte sie auf und ab. Doch dann blieb sie stehen und sah sich um. Hatte sie nicht eben etwas gehört? Bitte nicht schon wieder, betete sie stumm.
Schließlich fasste sie sich ein Herz und ging weiter, diesmal um das Haus herum. Ihr Puls pochte unangenehm schnell, sodass ihre Stimme bebte, als sie nach Mick rief. Der kam angelaufen, just bevor sie ihn entdeckte. Im selben Moment erkannte auch er, was sie gefunden hatte, packte sie und zog sie an seine Brust. Er selbst verbarg das Gesicht in ihrem Haar. Doch das Knarzen des Stricks konnte er damit nicht ausblenden. Im Gegenteil. Das Geräusch bohrte sich in ihre Köpfe, bis sie Hals über Kopf kehrt machten und wegfuhren. Der schlaksige Körper baumelte im kalten Wind weiter.

Die Küchentür knallte hinter Kate zu, die sich hilfesuchend an die Klinke klammerte. Diese Nacht war ein einziger Albtraum. Nur war sie nicht fähig, daraus zu erwachen. Ein Klappern hinter ihr ließ sie herumfahren. „Was tust du da?“, fragte sie entsetzt. Mick stand vor der Küchentheke, die oberste Schublade hatte er herausgezogen. Aber das war nebensächlich ob der Tatsache, dass er ein Messer in der Hand hielt. „Mick“, versuchte es Kate noch einmal, machte einen vorsichtigen Schritt auf ihn zu. „Mick. Hör auf. Bitte.“ Eindringlich streckte sie eine Hand nach dem Messer aus. Wieder rannen Tränen über die Wangen. Was war mit ihrem Freund los? So kannte sie ihn gar nicht.
„Das ist unsere Strafe.“ Mit diesen Worten hob Mick das Messer und rammte es sich in den Bauch. Kate schrie auf und wollte zu ihm. Aber jemand hielt sie zurück und bedeckte ihren Mund, der zu einem stummen Schrei geöffnet blieb, mit etwas Pelzigem. Sie wand sich in dem fremden Griff, strampelte um ihre Freiheit und die Chance, Mick das Leben zu retten. Was ihr nicht gelang. Stattdessen musste sie hilflos dabei zusehen, wie der Junge in sich zusammen sackte und letztlich verblutete.
Kate hielt die Augen fest verschlossen. Sie wollte nicht sehen, wie sein Körper den letzten Atemzug tat. Aber die Gestalt, in deren Griff sie hing, würde nicht von ihr ablassen. Dabei fiel es ihr kaum auf, wie ihr Mund und Nase zugepresst wurden. Alle Kraft war aus ihr gewichen. Sie würde sterben. Genau wie die anderen. Und das alles wegen einem dummen Jungenstreich.

Er spürte, wie der Körper vor ihm erschlaffte. In dieser Sekunde hauchte sie ihr Leben aus. Doch erst, als sich das Mädchen nicht mehr rührte, ließ er sie fallen. Mit einem dumpfen Laut kam sie auf den Küchenfliesen auf. Teilnahmslos betrachtete er sie. Sein Werk war getan und die Freude darüber längst verblasst. Er ließ den Kopf von einer Seite zur anderen sinken. Er hatte sie gewarnt. Aber sie hatte es nicht sehen wollen. Der Hase im Flur, auf Jasons Motorrad, am Straßenrand, im Baum neben dem Strick und auf der Küchentheke. Jedem von ihnen hatte er einen seiner Begleiter gewidmet. Doch statt um Gnade zu flehen, hatten sie ihr Heil in der Flucht gesucht. Die Flucht in den Tod. Anschließend drehte er sich um und verließ die Küche. Vor der Haustür blieb er stehen, als eine kleine Gestalt auf der Treppe erschien, die zügig auf ihn zu tappte. „Wer bist du?“, fragte ihn das kleine Kind mit großen Augen, den Stoffhasen an die Brust gepresst. Ohne jede Erklärung griff er hinter sich in seine Tasche und förderte seinen liebsten Schatz zutage. Mit einer eleganten Bewegung beugte er sich zu dem unschuldigen Kind hinab und streckte die Pfote nach ihr aus. Sanft strich er ihr übers Haar, bevor er ein buntes Osterei in ihre winzigen Hände fallen ließ. Seine Löffel zuckten. Im nächsten Augenblick war er verschwunden.
Nach oben Nach unten



 

Oster-Aktion 2015

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 

 Ähnliche Themen

-
» Weltmeisterschaft 2015
» Aufteilung nach EVS-Abteilungen des Regel-Bedarfs – 2011 – 2012 – 2013 – 2014 – 2015
» Freie Aktion
» Termin Storechampion Kit 2015
» Hamburger Tactica 21.-22.02.2015
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Darkest Light ::  :: Blackboard :: Alte Umfragen, Meldungen & Sonstiges-




gegründet: 10. Mai 2011
eröffnet: 13. Juni 2011
InGame: 24. Juni 2011
1. Plot: 13. August 2011

Dark-Mystery-RPG
optimiert für Firefox